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William Shakespeare
William Shakespeare, Chandos Portrait, source: wikipedia Sonett 18 Sonett 20 Sonett 23 Sonett 136 Sonett 147

Shakespeare Sonette

ins Deutsche übersetzt
An orange

Sonett 18

Shall I compare thee to a summer's day

Soll ich Dich mit dem Sommertag vergleichen?
So bist Du schöner, und von Launen frei:
Dem Wind im Mai muss liebste Blüte weichen,
Auch ist der Sommer viel zu schnell vorbei.

Und Himmels Auge scheint schon mal zu heiß,
Doch meistens ist sein gold’ner Teint getrübt,
Und Schönheit unterliegt stets dem Verschleiß,
Durch Zufall oder Jahreslauf verübt.

Doch sei Dein Sommer immerwährend gleich,
Und nie soll Deine Schönheit Dir enteilen,
Nie prahle Tod, Du seist im Schattenreich,
Wächst Du doch linear in diesen Zeilen.

So lang’ noch Augen sehen, Menschen leben,
So lang’ lebt dies, und wird Dir Leben geben.

Sonett 20

A woman's face, with nature's own hand painted

Natur entwarf ein weibliches Gesicht
Für Dich, Herr-Herrin meiner Leidenschaft,
Ein Herz auch weiblich sanft, doch ist es nicht,
Wie Mode falscher Frauen, wechselhaft.

Und nicht wie diese, falsche Blicke werfend,
Verschönt Dein Auge das, worauf es zielt;
Im Ton ein Mann, den Ton im Ton beherrschend,
Erstaunt es Frauen, Männeraugen stiehlt.

Als eine Frau warst Du zuerst kreiert;
Natur, Dich formend, ganz verzückt von Dir,
Hat dann durch Nachtrag Dich von mir entführt,
Indem sie ein Ding anhing, Unding mir.

Bestückt bist Du für weibliches Vergnügen,
Mir Deine Liebe, Nutz wird ihr genügen.

Sonett 23

As an unperfect actor on the stage

Wie auf der Bühne Schauspiel-Dilettant
Vor lauter Angst den eignen Part verliert,
Wie rasend Ding in Wut heillos verrannt
Sein Herz durch zu viel Stärke reduziert;

Vergess' ich bang, Vertrauen, Wort zu fassen,
Zeremonie und Liebesritual,
Scheint meiner Liebe Stärke nachzulassen,
Wird Bürde meiner Liebe Macht zur Qual.

O gib den Blicken alle Sprachgewalt,
Die stummen Boten, Sprecher meiner Brust,
Die Liebe bieten, suchen Blick-Entgelt,
Mehr als dem Mund, der mehr Text mehr gewusst.

O lerne lesen, was die Liebe schrieb:
Wenn Auge hört, ist das der Liebe lieb.

Sonett 136

Whoever hath her wish, thou hast thy Will

Wo ihr ein Wunsch erfüllt, Dein Will Dich trägt,
Und Will dazu und Will noch obendrein;
Mehr als genug bin ich, der dich erregt,
Auch zusätzlich zu Willen Dir zu sein.

Willst Du, die Du weiträumig Willen hast,
Nicht einmal meinem dort Versteck gewähren,
Wo Wille anderer Dir doch nie zu Last,
Nur meinem Willen Akzeptanz verwehren?

Die See, nur Wasser, lässt noch Regen ein,
Und lässt im Überfluss in sich verstauen,
Du solltest, reich an Willen, Willens sein,
Mit meinem Willen Deinen auszubauen.

Weis’ keinen Sucher ab, unwillentlich,
Denk’ alle einen, und in diesem mich.


Sonett 147

My love is as a fever, longing still

Glüht meine Liebe wie ein Fieber, giert
Nach dem, was diese Krankheit weiter nährt,
Zehrt von dem Leiden, das sie prolongiert,
Gibt, was Verlangen, launisch krank, begehrt.

Verstand, der meiner Liebe Doktor war,
Aus Wut, dass seine Vorschrift ignoriert,
Ließ mich im Stich, verzweifelt seh’ ich klar,
Begehr ist Tod, was Medizin negiert.

Ich bin unheilbar, heillos Unverstand,
Verrückt vor immer innerer Unrast,
Mein Denken, Reden, außer Rand und Band,
Wie Irrer, wirr, vergeblich Wahrheit fast;

Denn ich hab’ leuchtend, strahlend Dich gedacht,
Doch du bist schwarze Hölle, dunkle Nacht.